Geschichte · Tassen, Becher & Flaschen
Die Bürotasse: Kleine Kulturgeschichte eines unterschätzten Objekts
Sie steht auf jedem Schreibtisch, hat oft einen kleinen Sprung am Rand und gehört trotzdem niemandem so richtig. Die Bürotasse ist das Ding, das du jeden Tag zehnmal in der Hand hast und nie wirklich anschaust. Dabei steckt in ihr eine ziemlich gute Geschichte: Porzellan, das eigentlich Gold werden sollte, eine Kaffeepause aus Wisconsin und eine Kaffeemaschine, die das Internet berühmt gemacht hat.

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Bild mit Hilfe von KI erstelltVom arabischen Schälchen zum norddeutschen Pott
Fangen wir beim Wort an. „Tasse“ ist ein Lehnwort aus dem Französischen, und das hat es aus dem Arabischen: ṭās heißt dort so viel wie Schälchen oder Napf. Im Deutschen ist das Wort seit dem 16. Jahrhundert unterwegs. Je nachdem, wo du sitzt, heißt das gleiche Gefäß aber ganz anders. In Norddeutschland trinkst du aus dem Pott, in Österreich aus dem Häferl.
Streng genommen ist die Bürotasse übrigens gar keine Tasse. Ein Becher ist laut Definition ein Trinkgefäß ohne Fuß und ohne Henkel, und die große, gerade Variante mit Griff heißt korrekt Henkelbecher. Im 18. Jahrhundert hatte die Porzellantasse den Becher für heiße Getränke weitgehend verdrängt. Sein Comeback kam erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, als industriell gefertigter Henkelbecher aus Steinzeug für Kaffee und Tee im Alltag. Genau der steht heute neben deiner Tastatur. Wir sagen trotzdem weiter Tasse. Alles andere klingt nach Behördendeutsch.
Weißes Gold aus Sachsen
Das Material für die feine Tasse kam aus China. In Europa hat sich lange niemand die Rezeptur zusammenreimen können, bis ein Alchemist ins Spiel kam, der eigentlich Gold herstellen sollte. Johann Friedrich Böttger hatte behauptet, er könne das. August der Starke ließ ihn daraufhin in Dresden einsperren und arbeiten. Gold kam keins dabei heraus. Zusammen mit Ehrenfried Walther von Tschirnhaus forschte Böttger stattdessen an Porzellan, und am 15. Januar 1708 ist die Erfindung des ersten europäischen Porzellans dokumentiert. Zwei Jahre später, 1710, wurde die Porzellanmanufaktur in Meißen gegründet.
Was in die Tasse kam, war damals genauso exklusiv. Kaffee war im 18. Jahrhundert ein teures Luxusgut, vor allem für Adel und wohlhabende Leute. Wer weniger Geld hatte, trank Ersatz aus Zichorienwurzeln oder geröstetem Getreide. Wenn also heute jemand über den Kaffee aus der Teeküche meckert: Es gab schon schlechtere Zeiten.
Wie die Tasse ins Büro kam
Die Stadt Stoughton in Wisconsin behauptet von sich, die Kaffeepause erfunden zu haben. Die Geschichte geht so: Um 1880 stellten die Tabaklager dort norwegische Frauen ein, und die bestanden auf regelmäßigen Pausen, um zu Hause nach dem Rechten zu sehen. Dabei gab es Kaffee. Ob das wirklich die erste Kaffeepause war, lässt sich nicht beweisen, gefeiert wird sie dort trotzdem jedes Jahr mit einem eigenen Festival.
Fest im Arbeitsalltag angekommen ist die Kaffeepause in den USA erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Den Begriff „coffee break“ hat 1952 eine Werbekampagne des Pan-American Coffee Bureau mit groß gemacht. In Schweden heißt das gleiche Ritual Fika, und es findet in vielen Firmen mehrmals am Tag statt. Harrison Owen fragte 1983 nach einer großen Konferenz die Teilnehmenden, was am meisten gebracht hat. Die Antwort: die Kaffeepausen. Daraus hat er ein ganzes Konferenzformat gebaut, Open Space.
Und der Filter in der Maschine? Den verdankst du einer Dresdner Hausfrau. Melitta Bentz nahm 1908 ein Löschblatt aus dem Schulheft ihres Sohnes, legte es in eine Konservendose, deren Boden sie mit Nägeln durchlöchert hatte, und hatte damit Kaffee ohne Satz. Im Juni 1908 bekam sie dafür den Gebrauchsmusterschutz.
Die berühmteste Kaffeemaschine der Welt
Wie ernst Büros ihren Kaffee nehmen, zeigt eine Geschichte aus Cambridge. Im Computerlabor der Universität stand im Flur vor dem sogenannten Trojan Room eine Kaffeemaschine, und wer weiter weg saß, lief regelmäßig umsonst hin, weil die Kanne leer war. Also richteten ein paar Leute 1991 eine Kamera auf die Kanne. Das Bild hatte 128 mal 128 Pixel in Graustufen und zeigte nur eins: Ist noch Kaffee da?
Im November 1993 hängten sie die Kamera ans Internet, und die Trojan-Room-Kaffeemaschine wurde zur ersten Webcam der Welt. Am 22. August 2001 wurde sie abgeschaltet. Die Maschine, ein Krups, ging bei eBay für 3.350 Pfund an Spiegel Online. Seit 2016 steht sie im Heinz Nixdorf MuseumsForum in Paderborn. Eine Kaffeemaschine im Museum. Mehr Anerkennung für die Teeküche geht nicht.
Warum jeder seine eigene Tasse will
Jetzt der Teil, den du aus dem eigenen Büro kennst. Im Schrank stehen zwölf weiße Tassen, die alle gleich aussehen, und trotzdem greift jeder zielsicher nach seiner. Wer sie sich ausleiht, ohne zu fragen, hat ein Problem. Die eigene Tasse ist im Büro so etwas wie ein kleines Revier: Sie sagt, wer du bist, wo du sitzt und wie du deinen Kaffee magst.
Genau deshalb lohnt es sich, sie zu personalisieren. Ein Name ist der Anfang. Besser wird es mit dem Spruch, den in deinem Team alle sofort verstehen, oder mit dem Foto vom letzten Teamevent. Bei diXed gestaltest du deine Tasse selbst, ab einem Stück. Die Keramiktasse fasst 325 ml, ist spülmaschinengeeignet, und der Druck ist kratzfest und UV-beständig. Bei der zweifarbigen Variante sind Henkel und oberer Rand farbig abgesetzt, sieben Kombinationen stehen zur Wahl. Praktisch, wenn in der Teeküche vier gleiche Tassen stehen und keiner mehr weiß, welche seine ist. Wer die Tasse auch mal mit auf den Balkon oder in die Werkstatt nimmt, greift zur Emaille-Tasse mit 300 ml. Die will allerdings von Hand gespült werden und darf nicht in die Mikrowelle.
So findest du das richtige Motiv
Denk zuerst an den Moment, nicht an das Produkt. Die neue Kollegin, die gerade angefangen hat, freut sich über eine Tasse, die ihr am ersten Tag sagt: Du gehörst dazu. Für den Kollegen, der geht, ist es der Running Gag aus drei Jahren Daily, den außer euch niemand versteht. Und wer sich selbst eine gönnt, nimmt den Satz, den er innerlich jeden Montag um neun denkt.
Halte das Motiv einfach. Eine Tasse ist rund, du siehst immer nur eine Seite. Ein kurzer Spruch oder ein klares Bild wirkt stärker als ein Absatz Text. Und plan ein bisschen Vorlauf ein, wenn die Tasse zum Wichteln oder als Weihnachtsgeschenk unter den Baum soll. Die Bürotasse hat gut 300 Jahre gebraucht, um vom Luxusgut zum Schreibtischbegleiter zu werden. Deine braucht nur ein Motiv.



